LL – Kapitel 1 ==> Aufstieg

01-aufstiegDas Libellchen war sich nicht mehr sicher, ob es wirklich eine gute Idee war, was sie tat. Sie war auf dem Weg ins „Himmelreich“. So nannte die Berghexe angeblich ihr Heim. Das Libellchen wußte nur leider nicht, ob die Gerüchte stimmten und es die Berghexe und das Himmelreich wirklich gab. Als sie davon erfahren hatte, hatte sie auch sofort daran gezweifelt. Konnte es wirklich so einfach sein? Sie mußte einfach nur zu der Berghexe gehen und die würde ihr helfen können?

Das Libellchen hatte Zeit ihres Lebens Probleme mit sich selbst gehabt. Sie wußte nicht wofür sie auf diese Welt geschickt war. Sie war nutzlos. Natürlich trug sie ihren Teil zum Miteinander der Menschen bei, doch so richtig wichtig war sie nicht. Also, ob es sie nun gab, oder nicht, machte für die Menschheit keinen wesentlichen Unterschied. Zumindest war das ihre Sicht der Dinge. Und auch wenn sie ihre Freunde immer wieder von dem Gegenteil überzeugen wollten, so konnte das Libellchen diese Sicht ihres Selbst nicht verinnerlichen.

Ach wenn sie doch nur wüßte, was sie tun könnte, damit sie endlich ihren Platz im Leben finden würde. Und dann hatte sie von einer Bekannten erfahren, daß auf dem Berg den sie jeden Tag von ihrem Fenster aus sah, angeblich eine Berghexe wohnte, die das Innerste der Menschen fand und ihnen half ihren Weg zu finden und zu beschreiten. „Jaja, sicher doch“ erwiderte das Libellchen „und unter meinem Bett wohnt ein Kobold der mir meine Zukunft vorher sagen kann.“

„Du mußt es ja nicht glauben“ meinte die Bekannte. „Hast du schon Pläne für deinen Urlaub?“ Natürlich hatte sie keine Pläne, sie würde zu Hause ein wenig dahin vegetieren und darüber nachdenken, was sie an ihrem Leben ändern könnte, damit sie sich besser fühlte. „Dachte ich es mir doch, keine Pläne für den Urlaub, dann kannst du dich ja auch auf die Suche nach der Berghexe machen. Und wenn du sie unterwegs nicht findest, vielleicht findest du ja dich. Frische Luft hat noch niemanden geschadet.“

Das Libellchen hatte die Worte der Bekannten abgetan. So ein Blödsinn. Doch jetzt war sie trotzdem unterwegs. Das Gespräch hatte ihr einfach keine Ruhe gelassen. Immer wieder mußte sie daran denken. Und als dann ihr Urlaub begonnen hatte, hatte sie beschlossen, es zu versuchen. Sie hatte ja nix zu verlieren. Die Berghexe verlangte zwar angeblich Geld für ihre Dienste, aber weniger als ein Thermenaufenthalt kosten würde. Also warum eigentlich nicht. Und wenn sie Hexe nicht fand, hatte sie heute einen Ausflug in die Berge gemacht und morgen könnte sie dann immer noch in die Therme fahren.

Und so stapfte sie dahin. Die Bekannte hatte ihr noch gesagt, wo der Weg begann und hat gemeint ansonsten sollte sie einfach dem Weg folgen. Naja, „Weg“ würde sie zu dem Trampelpfad zwar nicht sagen, aber zumindest war er deutlich genug, daß sie ihn gefunden hatte.

Ihr Auto hatte sie im Tal auf dem Parkplatz abgestellt und seit mehreren Stunden folgte sie jetzt bereits dem Pfad. Über Kuhgatter war sie geklettert, Schluchten hatte sie überwunden, einen Klettersteig hatte sie hinter sich gelassen und der Weg hatte tatsächlich ihren Kopf frei gemacht. Sie hoffte nur, daß es die Berghexe auch wirklich gab, weil heute alles wieder zurück wandern, würde sich tagsüber wahrscheinlich nicht mehr ausgehen. Doch irgendwie spürte sie, daß am Ende des Weges jemand auf sie warten würde und so ging sie weiter.

Sie überwand ein Hindernis nach dem anderen. Es war wie eine Abenteuerreise. Auf und ab, durch Hecken die von der Ferne aussahen wie eine Wand und erst als man näher kam sah man, daß der Pfad direkt durch die Hecke führte. Sie fühlte sich gut. Ihr machte es Spaß einfach dem Weg folgen zu können, den ein anderer für sie vorbereitet hatte. Ach wäre ihr Leben doch immer so einfach gewesen! Das Libellchen schnaufte. So toll es auch war, schön langsam könnte sie ankommen.

Auf einmal stand sie vor einem Fels. Und jetzt? Der Weg hatte sie genau bis zu dieser Wand geführt. Sie suchte nach einer versteckten Höhle oder einem Durchgang, doch sie fand nichts. Das war doch jetzt ein schlechter Witz. Sie war stundenlang marschiert um am Ende erst wieder vor einer Wand zu stehen. Na ganz toll!

Sie setzte sich auf den Boden, lehnte sich mit dem Rücken an den Fels und packte erst mal ihre Jause aus. Sie würde eine kleine Pause machen und dann halt wieder zurück gehen. Sie hoffte nur, daß sie den ganzen Weg noch schaffte bevor die Nacht herein brach. Schade. Sie hatte tatsächlich geglaubt, daß es eine Berghexe gab. Wie hatte sie das überhaupt glauben können. So naiv war sie normalerweise gar nicht.

Als das Libellchen gerade aufstehen wollte und den Rückweg antreten wollte, spürte sie wie sich der Fels veränderte. Und bevor sie noch reagieren konnten, gab der Stein nach und sie fiel rücklings retour. Was war den das? Sie stand auf einmal auf einer Lichtung. Und mitten auf der Lichtung stand eine Hütte. Sollte diese Hütte das Himmelreich sein? Also wirklich. Sie war enttäuscht, sie hätte sich eine schöne Villa oder so was erwartet. Aber eine Hütte.

Doch auch wenn sie nicht damit gerechnet hatte, am Ende des Weges eine Hütte vorzufinden, so spürte sie, dass genau diese Hütte ihr Ziel war. Also nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und ging auf die Hütte zu. Als sie gerade klopfen wollte, öffnete sich die Tür und eine junge hübsche Frau öffnete. „Hallo, ich bin MagdaLena, die Berghexe!“ Das Libellchen starte die junge Frau mit offenem Mund an. Die war ja jünger als sie! Die sollte ihr helfen können? Und doch spürte sie, dass hier nicht alles so war wie auf den ersten Blick erkennbar war und so erwiderte sie ein wenig schüchtern „Hallo, ich bin Libellchen und ich brauch deine Hilfe!“

„Na dann komm rein.!” Das ließ sich das Libellchen nicht zweimal sagen und betrat das „Himmelreich“

© Libellchen, 2011

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