LL – Kapitel 9 ==> Druck

09-druckDas Libellchen schwitzte. Sie hatte sich zwar schon in den Schatten gesetzt, doch sie schwitzte trotzdem. Vor ihr lag die zweite Seite ihrer „Hausarbeit“. Als Überschrift stand Stress und darunter hatte das Libellchen Druck geschrieben. Doch mehr war ihr dazu noch nicht eingefallen. Machte sie sich Stress wirklich selber? Sie hatte fallweise schon das Gefühl einem gewissen Druck ausgesetzt zu sein, aber der kam ja von ihrer Umwelt und nicht von ihr selber. Das Libellchen grübelte und schwitzte.

Sie nahm das Getränk das ihr Jack gebracht hatte und vertrat sich die Beine. Sie überlegte und überlegte, doch sie wusste nicht was sie schreiben sollte. Sie wusste das MagdaLena erwartete das sie mitarbeitete, das ihr die Berghexe nicht helfen konnte, wenn sie nicht ehrlich zu sich selber war, doch ihr fiel einfach nichts ein.

Natürlich kannte sie Druck. Früher in der Schule oder auch später im Job. Aber das war kein Druck den sie sich selber machte, oder? Sie wusste es nicht. Sie glaubte es aber auch nicht. Man musste ja sein Bestes geben, sonst kam man ja nicht weiter auf dieser Welt. Was sollte sie bloß schreiben? Sie fühlte die Panik die in ihr hoch stieg. Was, wenn ihr nichts dazu einfallen würde, was, wenn sie nichts zu diesem Thema schreiben konnte, würde MagdaLena die Zusammenarbeit mir ihr beenden? Musste sie dann von hier wieder weg? Konnte ihr dann keiner helfen?

Und da fielen ihr die Worte von MagdaLena wieder ein. Im Himmelreich gibt es keinen Stress. Also wieso hatte sie gerade Panik? MagdaLena würde sie nicht wegschicken, wenn ihr nichts zu dem Thema einfiel, doch sie hatte plötzlich einen enormen Druck empfunden. Kam der wirklich aus ihrem Inneren? Diesmal auf jeden Fall. Sie hatte keinen Druck von außen, doch hatte sie Panik in ihr gefühlt. War es das was MagdaLena meinte. Machte sie sich ihren Druck wirklich selber?

War ihr das schon öfter passiert? Hatte sie sich vielleicht schon öfter Druck gemacht, wo es gar nicht notwendig gewesen wäre? Ihr fiel ihr Jobverlust ein. Ihre Firma hat die österreichische Niederlassung geschlossen und sich mit einer einvernehmlichen Lösung des Dienstvertrages von ihr getrennt. Sie hatte Panik geschoben. Hatte sich schon unter der nächsten Brücke gesehen. War total unter Strom und verzweifelt. Im Endeffekt total überflüssig, da sie effektiv keine einzigen Tag wirklich arbeitslos war. Sie ist von einem Job in den nächsten gewechselt.

O mein Gott! Mach ich das wirklich selber? Mach ich mich selber fertig, wo es gar nicht notwendig wäre? Das Libellchen war erschüttert. Sie ließ sich auf die Bank fallen und atmete tief durch. Hatte sie sich ihr Leben selber unnötig schwer gemacht? Sie war noch nie wirklich in eine Notsituation geraten, doch sie hatte oft Angst davor gehabt. Im Nachhinein betrachtet, jedoch immer unnötig.

Das war zuviel für das Libellchen, sie brauchte ganz dringend eine Pause. Sie packte ihr Tagebuch und das Trinken zusammen und machte sich auf den Weg Richtung Haus. Sie war zwar noch nicht fertig, doch das war ihr jetzt egal. Die Erkenntnis von eben war einfach zuviel. Sie musste jetzt unbedingt mit jemanden darüber reden. Also machte sie sich auf die Suche nach MagdaLena oder Puschkin.

Sie betrat die Halle und sah Pandora. Ach was solls, reden wird überbewertet. Sie setzte sich zu Pandora und kuschelte sich in die Kissen.

© Libellchen, 2011

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