LL – Kapitel 20 => Bad

20-badAls das Libellchen erwachte fühlte sie sich erfrischt und erschöpft zugleich. Sie hatte so viel erlebt diese Woche, dass sie das Gefühl hatte an ihre Grenzen zu stoßen. Doch gleichzeitig fühlte sie sich gut, wie schon lange nicht. Das Ritual am gestrigen Abend hatte sie richtig beflügelt. Sie hatte sich wirklich alles und jeden von der Seele getrommelt.

Sie würde sich jetzt erstmal ein ausgiebiges Bad gönnen und dann versuchen ihre innere Unruhe in den Griff zu bekommen. Während sie in der Badewanne lag, dachte sie darüber nach, wie schön es war, das es Menschen gab, die sie so akzeptierten wie sie war. Hier im Himmelreich konnte sie sich richtig gehen lassen, sie musste nicht darüber nachdenken ob man etwas normalerweise tut oder auch nicht.

Ihr Leben war geprägt davon, dass man nicht immer alles tun kann, was man will. Man muss sich benehmen um…..

Ja, warum eigentlich? Ihre Großeltern würden sie einliefern lassen, wenn sie wüssten dass sie an einem Ritual teilgenommen hatte. Doch was war eigentlich dabei? Sie hatten Feuer gemacht, Zettel verbrannt, getrommelt und es hat sich gut angefühlt. Nicht mehr und nicht weniger.

Und doch würden es viele Menschen weder verstehen, noch gut heißen. So was tut man einfach nicht. Die Gesellschaft ist geprägt von Verhaltensweisen die als angemessen gelten. Und alle die dagegen verstoßen, werden als Spinner angesehen.

Aber ist es wirklich ein besseres Benehmen den Menschen ins Gesicht zu lachen um dann hinter deren Rücken über sie abzulästern? Und wieso beschäftigt sie das so? Sie war es doch eigentlich gewohnt, dass die Menschen über sie herzogen. Sie kam aus einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kannte und auch jeder über jeden lästerte.

Was also beschäftigte sie so? Sie fühlte sich hier im Himmelreich sehr wohl und doch wusste sie, dass sie zurück in ihrem eigentlichen Leben, mit gewissen Menschen nicht über das Erlebte reden würde. Sie wusste dass es sehr viele Menschen gibt, die sie für verrückt halten würden.

Ihr Bauchgefühl sagte ihr aber das sie auf dem richtigen Weg war. War das ihr weiterer Lebensweg? Sich nach außen hin „normal“ geben und dann heimlich ins Himmelreich trommeln fahren? Oder sollte sie darüber sprechen und sich als verrückt bezeichnen lassen?

Dem Libellchen war es zwar egal das die Menschen hinter ihrem Rücken über sie herzogen, doch wenn ihre Familie, die sie eigentlich so lieben sollte wie sie war, für eine irre Vollidiotin hielt, brach ihr das das Herz. Sie wusste aber mittlerweile dass ihre Familie gar nicht wirklich interessierte daran war, zu erfahren wer sie wirklich war. Sie sollte funktionieren und eine Familie gründen. Alles andere interessierte sie nicht. Keinen interessierte was sie wollte.

MagdaLena hatte ihr letztens gesagt „Energie folgt der Aufmerksamkeit.“ Sie hatte ihre Energie immer in die Wünsche und Bedürfnisse der anderen gesteckt. Sie würde das jetzt ändern. Sie würde sich ab sofort um sich selber kümmern. Und solange sie sich hier im Himmelreich wohl fühlte würde sie hier bleiben bzw. immer wieder kommen.

Sollten doch die anderen denken was sie wollten. Das taten sie ja sowieso. Sie würde sich nicht mehr darum kümmern. Ihre Energie brauchte sie ab sofort für sich selber. Mit diesem Vorsatz bewaffnet, stieg sie gestärkt aus der Badewanne und machte sich auf die Suche nach jemandem, dem sie die frohe Botschaft erzählen konnte.

© Libellchen, 2011

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